Die Fürstenberger Igelsage

Graf Heinrich jagte gern in den ausgedehnten Waldungen um Fürstenberg. Hier gab es eine Menge Hirsche. Einst hatten seine Hunde einen Vierundzwanzigender aufgetrieben. Auf seinem Hengste, den Jagdspeer in der Hand, verfolgte der Graf das edle Tier. Die Hundemeute trieb es aus allen seinen Zufluchtsorten heraus. In seiner Not floh der Hirsch durch das geöffnete Stadttor in die Stadt. Am anderen Ende setzte er mit einem gewaltigen Sprung über die Stadtmauer. Auch dem Pferde des Grafen gelang der Sprung über die Mauer. Nicht weit davon ging eine steile Felswand ins Tal hinab. Der Hirsch sprang in die fürchterliche Tiefe, wo er zerschmettert liegenblieb.


Die Igelklippe am Ortsausgang Richtung Rhadern



Der Graf wäre in seinem Jagdeifer dem Tiere nachgesetzt, wenn sich das Ross nicht im letzten Augenblick hoch aufgebäumt hätte. Er sprang ab und sah vor den Hufen des Pferdes einen Igel liegen. Zugleich gewahrte der Reiter den erschreckenden Abgrund. Er sank auf die Knie und dankte Gott für die Rettung. Dann hob er den Igel auf, trug ihn in die Stadt und übergab ihn dem Bürgermeister mit der Weisung, ihn bis an sein Lebensende zu pflegen. Für die Erhaltung des Tieres stiftete er eine Geldsumme und bestimmte, dass zum Andenken an diesen Tag jährlich ein Fest gefeiert werde. Dieses Fest nannte man das Igelfest. Der Igel wurde in feierlichem Zuge durch die Straßen der Stadt getragen. Eine goldene Kette schmückte den stacheligen Gesellen.

Aus diesem Silberbecher von 1790 wird zum Festzug der Igelschluck gereicht


Noch heute wird alljährlich das Igelfest am Montag vor Pfingsten gefeiert.